WM-Silber für Ringer Denis Kudla

Der Olympia-Dritte von Rio unterliegt in Paris im Finale dem Türken Metehan Basar knapp

Schenkten sich im Finale keinen Zentimeter: Denis Kudla (l.) und Metehan Basar. Foto: paDer Schifferstadter Ausnahme-Ringer Denis Kudla hat erneut für Furore gesorgt: Bei den Weltmeisterschaften in Paris sicherte sich der 22-Jährige, der in der DRB-Bundesliga in dieser Saison für den rheinhessischen Aufsteiger SV Alemannia Nackenheim auf die Matte steigt, die Silbermedaille. Der Olympia-Dritte von Rio verlor am 21. August im Palais Omnisport das Finale der Kategorie bis 85 Kilogramm knapp mit 1:2 gegen den Türken Metehan Basar.

Zuvor hatte der polnisch-stämmige Kudla im Halbfinale 4:1 gegen den erstaunlich passiven und praktisch gar nicht nach eigenen Chancen suchenden Asienmeister Ahmad Hussein Nouri aus dem Iran gewonnen. Der Rheinland-Pfälzer sammelte Punkt um Punkt und geriet lediglich am Mattenrand einmal kurz in Bedrängnis und musste einen Punkt abgeben. Einer der ganz wenigen Schnitzer, die sich Kudla im Turnierlauf leistete. Im Viertelfinale den Junioren-WM-Zweiten Islam Abbasow aus Aserbaidschan, der so etwas wie sein Dauerrivale ist, in beeindruckender Manier mit 4:1 bezwungen. Unmittelbar davor hatte der Musberger Frank Stäbler als erster deutscher Ringer WM-Gold in einer zweiten Gewichtsklasse geholt.

Eine Stunde später ging es dann für Teamkollege Denis Kudla, der in der ersten Runde sechs Minuten im Vorwärtsgang war und den Chinesen Shuai Hou beim 3:1 regelrecht zermürbt und im Achtelfinale den Kampf gegen den zähen Kubaner Daniel Hechavarria nach zweimaligem Rückstand in der letzten Minute noch 2:2-Punktsieg gedreht hatte, ebenfalls um Gold. Nach seiner Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen im Vorjahr, konnte der mit einer Körpergröße von 185 Zentimetern für einen Mittelgewichtler ungewöhnlich hoch aufgeschossene Modellathlet noch einen draufsetzen und erreichte das Finale. Im Finale traf er ebenfalls auf einen alten Bekannten. Bei seiner Olympiaqualifikation in Istanbul im Vorjahr besiegte er den Türken Basar in dessen Heimatstadt. Diesmal indes hatte der Vollbartträger von Bosporus das bessere Ende für sich. Dennoch würdigten Fachorgane wie auch die Presse Kudlas tolles Abschneiden in hohen Tönen. „Der zweite Platz ist eine riesige Leistung des jungen Kudla“, etwa stand auf der Homepage des Deutschen Ringer-Bundes (DRB) zu lesen.

Schon seit seinem Triumph in Rio ist Denis Kudla eine anerkannte Größe in seinem Sport. Auch wenn er im schwierigen nacholympischen Jahr bei internationalen Wettkämpfen hin und wieder Lehrgeld zahlen musste. Weil er sich selbst zu viel Druck machte. „ich dachte, dass ich Leistung bringen muss – und darunter litt der Spaß“, wird Kudla in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zitiert. Er sei nur verkrampft auf die Matte gegangen und habe stets das gefühl gehabt, dass er als Bronzemedaillengewinner von Rio nur verlieren könne. Bundestrainer Michael Carl half dabei, den Ausnahmekönner in mentaler Hinsicht wieder in die Erfolgsspur zu führen.

Die Erfolge des Griechisch-Römisch-Spezialisten sind umso höher zu bewerten, wenn man bedenkt, dass er seine beste Zeit wohl noch vor sich hat. Denn für gemeinhin rufen Ringer erst im Alter von etwa Mitte bis Ende 20 ihre stärksten Leistungen abrufen. Also dann, wenn sie neben einer Topkondition, brillianter Technik, gewiefter Taktik und einer fetten Portion Siegeswillen auch noch über einen reichen Erfahrungsschatz verfügen.

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